120 Jahre Forschung am Georg-Speyer-Haus

01.10.2026

Im Jahr seines 120-jährigen Bestehens wird das Georg-Speyer-Haus von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) als „Historische Stätte der Chemie“ gewürdigt.

Zu Beginn des letzten Jahrhunderts begründete der Forscher und Nobelpreisträger Paul Ehrlich (1854 – 1915) hier in Frankfurt die experimentelle Krebsforschung. Zur Unterstützung seiner Forschung wurde 1906 das Georg-Speyer-Haus eröffnet. Hier entwickelte Paul Ehrlich das Salvarsan, das erste moderne chemotherapeutische Medikament, das gezielt zur Behandlung der Syphilis eingesetzt wurde. Zum 120-jährigen Jubiläum des Instituts und der Krebsforschung in Frankfurt am Main veranstaltete das Georg-Speyer-Haus, heute Institut für Tumorbiologie und experimentelle Therapie, gemeinsam mit dem Universitären Centrum für Tumorerkrankungen (UCT) Frankfurt die diesjährige Frankfurt Cancer Conference, die vom 2. bis 4. September 2026 stattfand. Am 29. September 2026 nahm die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) das Georg-Speyer-Haus im Rahmen eines Festakts als „Historische Stätte der Chemie“ auf. 

Das Georg-Speyer-Haus wurde im Jahr 1906 als Chemotherapeutisches Forschungsinstitut Georg-Speyer-Haus gegründet, um eine Forschungsstätte für Paul Ehrlich, den ersten Direktor des Georg-Speyer-Hauses, zu schaffen. Franziska Speyer, die Witwe des Frankfurter Mäzens Georg Speyer, legte hierfür mit einer großzügigen Spende den Grundstein für die private Stiftung. Feierlich eröffnet wurde das neben dem Königlichen Institut für Experimentelle Therapie gelegene Georg-Speyer-Haus am 3. September 1906 und an Paul Ehrlich übergeben. 

Paul Ehrlich, der im Jahr 1909 mit dem arsenhaltigen Präparat Salvarsan das erste wirksame Heilmittel gegen die Geschlechtskrankheit Syphilis entdeckte, revolutionierte die Medizin. Das kurz darauf entwickelte und leichter einsetzbare Neosalvarsan wurde weltweit über fünfzig Jahre lang eingesetzt. Das zentrale Bestreben Paul Ehrlichs, Wirkstoffe zu entwickeln, die als „Zauberkugel“ (magic bullet) gezielt krankheitsverursachende Erreger und Zellen angreifen, ohne dabei gesundes Gewebe zu schädigen, findet sich auch heute noch in der modernen Krebsforschung und Präzisionsmedizin wieder. Im Laufe der Jahrzehnte veränderten sich die wissenschaftlichen Schwerpunkte des Instituts, und die immunologische und immuntherapeutische Forschung gewannen an Bedeutung. 

Auch heute, 120 Jahre nach seiner Gründung, führt das Georg-Speyer-Haus das Erbe Paul Ehrlichs als Institut für Tumorbiologie und experimentelle Therapie unter der Leitung seines jetzigen Direktors Prof. Dr. Florian Greten fort. Der wissenschaftliche Fokus liegt auf der Erforschung der molekularen und zellulären Grundlagen der Tumorentstehung. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der sogenannten Tumormikroumgebung, in dem Krebszellen unter anderem mit Zellen des Immunsystems und dem Mikrobiom kommunizieren. Mit rund 100 Mitarbeitenden am Georg-Speyer-Haus werden Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in Zusammenarbeit mit klinischen Partnern in die Verbesserung und Neuentwicklung von Therapieansätzen überführt.  

Historische Stätte und moderne Krebsforschung

Im Rahmen des 120-jährigen Bestehens hat die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) das Georg-Speyer-Haus am 29. September 2026 in ihr Programm „Historische Stätten der Chemie“ (https://www.gdch.de/historischestaetten) aufgenommen, mit dem an Leistungen von geschichtlichem Rang in der Chemie erinnert wird. Zahlreiche Gäste aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft kamen für einen Festakt am Georg-Speyer-Haus zusammen, bei dem GDCh-Präsidentin Prof. Dr. Ruth Bieringer und Institutsdirektor Prof. Dr. Florian Greten die Erinnerungstafel enthüllten. Das Programm des Festakts umfasste Grußworte von Prof. Dr. Florian Greten, Martin Bollert, Mitglied des Stiftungsrats des Georg-Speyer-Hauses, Prof. Dr. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Prof. Dr. Stefan Vieths, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Prof. Dr. Ruth Bieringer, und Frau Stadträtin Ina Hauck, sowie einen historischen Rückblick und diverse Fachreferate. Staatsminister Timon Gremmels, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, wandte sich mit einer Videobotschaft an die Gäste. 

Unter dem Motto „Translating Paul Ehrlich’s Magic Bullet into Novel Targeted Therapies” veranstaltete das Georg-Speyer-Haus außerdem gemeinsam mit dem Universitären Centrum für Tumorerkrankungen (UCT) Frankfurt und den assoziierten Forschungsverbünden vom 2. bis 4. September die 4. Frankfurt Cancer Conference. Bei der internationalen Fachkonferenz kamen rund 300 Teilnehmende aus Forschung und Klinik aus Europa, den USA und Kanada am Campus Westend der Goethe-Universität Frankfurt zusammen. Bei zahlreichen Fachvorträgen und über 100 wissenschaftlichen Postern diskutierten die Teilnehmenden die aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen der Krebsforschung und -therapie. Weitere Informationen: https://georg-speyer-haus.de/newsroom/news/detail/rueckblick-von-der-vergangenheit-in-die-zukunft-der-krebsmedizin-frankfurt-cancer-conference-2026. 

 

Copyright Fotos: GDCh/Uwe Dettmar, Frankfurt & GSH/Constantin Menche