Von der Vergangenheit in die Zukunft der Krebsmedizin: Frankfurt Cancer Conference 2026
120 Jahre Krebsforschung – und eine Idee, die weiterlebt
Für das Georg-Speyer-Haus hatte die diesjährige Frankfurt Cancer Conference eine besondere historische Bedeutung. In seiner Eröffnungsrede erinnerte der Vorsitzende des Organisationskomitees, Prof. Dr. Florian Greten, an das Jahr 1906: Damals wurde das Georg-Speyer-Haus unter seinem ersten Direktor Paul Ehrlich eröffnet. Im selben Jahr nahm in Heidelberg das Institut für experimentelle Krebsforschung seine Arbeit auf. Beide Eröffnungen waren Anlass für die erste internationale Konferenz für Krebsforschung, die gemeinsam in Heidelberg und Frankfurt stattfand. 120 Jahre später griff die Frankfurt Cancer Conference diese Geschichte auf. Das Motto „Translating Paul Ehrlich’s Magic Bullet into Novel Targeted Therapies“ stellte dabei einen zentralen Gedanken von Ehrlichs Forschung in den Mittelpunkt: Wirkstoffe so zu entwickeln, dass sie möglichst gezielt krankheitsverursachende Zellen oder Strukturen treffen. Dieses Prinzip setzte Ehrlich später unter anderem mit der Entwicklung von Salvarsan um, einem der ersten gezielt gegen einen Krankheitserreger gerichteten Medikamente.
Die „Magic Bullet“ lieferte damit den historischen Bezugspunkt für eine Frage, die die Krebsforschung bis heute beschäftigt: Wie lassen sich Tumoren immer gezielter behandeln und dabei Erkenntnisse über ihre biologischen Eigenschaften für neue Therapien nutzen? Welche Rolle spielen dabei das Immunsystem und die Tumormikroumgebung? Und wie können Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in neue Behandlungsansätze überführt werden? Diese Fragen zogen sich durch das wissenschaftliche Programm der Konferenz.
Von grundlegenden Mechanismen zu neuen Therapieansätzen
Zwei Keynote Lectures von Prof. Dr. Carl June (University of Pennsylvania, Philadelphia, USA) und Prof. Dr. Douglas Hanahan (Ludwig Institute for Cancer Research, Lausanne, Schweiz) rahmten die drei Konferenztage. In neun wissenschaftlichen Sessions mit 35 Vorträgen diskutierten die Teilnehmenden aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen der Krebsforschung und -therapie. Das Spektrum reichte von Immunonkologie und Wirkstoffentwicklung über Tumorplastizität und Mikrobiom bis hin zu hämatologischen Erkrankungen und Metastasierung. Über verschiedene Tumorentitäten hinweg verband das Programm Erkenntnisse zu grundlegenden biologischen Mechanismen mit translationalen und klinischen Fragestellungen.
Mehr als 100 Poster ergänzten das wissenschaftliche Programm und boten Raum für intensive Diskussionen über aktuelle Forschungsarbeiten. Marco Jessen vom Leibniz-Institut für Altersforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena und Thi Trang Le vom Universitätsklinikum Tübingen wurden für ihre Beiträge mit den Posterpreisen ausgezeichnet. Die Preise wurden vom Verein der „Freunde und Förderer des Georg-Speyer-Hauses“ gestiftet – für diese Unterstützung bedanken wir uns herzlich.
Auch die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses war Teil des Programms. Ein Karriereevent des Mildred-Scheel-Nachwuchszentrums (MSNZ) Frankfurt-Marburg bot jungen Forschenden die Gelegenheit zum persönlichen Austausch mit Prof. Dr. Maria Sibilia (Medizinische Universität Wien, Österreich) und Prof. Dr. Ihsan Ekin Demir (TUM Universitätsklinikum, München) über wissenschaftliche Karrierewege.
Das Georg-Speyer-Haus auf und hinter der wissenschaftlichen Bühne
Mitarbeitende des Georg-Speyer-Hauses prägten die drei Konferenztage wissenschaftlich als Mitglieder des Scientific Organizing Committee mit Prof. Dr. Greten als Vorsitz, als Session Chairs, oder unterstützten die Bewertung der Poster sowie organisatorisch im Konferenzmanagement. Gleichzeitig präsentierten Forschende ihre eigenen Arbeiten in Vorträgen und Postern. Das eingereichte Abstract von Patrick Wisser wurde zudem für einen Short Talk ausgewählt und damit Teil des wissenschaftlichen Vortragsprogramms.
So reichte die Beteiligung des Georg-Speyer-Hauses von der Konzeption und Organisation des Programms über die Moderation und Begutachtung wissenschaftlicher Beiträge bis zur Präsentation eigener Forschung.
Vernetzte Krebsforschung in Frankfurt
Die Frankfurt Cancer Conference brachte Grundlagenforschung, translationale Forschung und klinische Krebsforschung zusammen. Zugleich machte sie sichtbar, wie eng die Krebsforschung an der Goethe-Universität, dem Georg-Speyer-Haus und weiteren Partnerinstitutionen mit nationalen und internationalen Forschungsverbünden vernetzt ist. Dazu gehören unter anderem das Deutsche Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), das LOEWE-Zentrum Frankfurt Cancer Institute (FCI) und der LOEWE-Schwerpunkt CARISMa.
„Die Frankfurt Cancer Conference hat die bemerkenswerte Vielfalt der Krebsforschung in Frankfurt und ihre enge Vernetzung mit der internationalen Krebsforschungsgemeinschaft eindrucksvoll sichtbar gemacht. Das Zusammenbringen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Institutionen, Ländern und Disziplinen hat ein hervorragendes Umfeld für den Austausch von Ideen und die Anbahnung neuer Kooperationen geschaffen, um moderne Krebstherapien weiter voranzubringen“, sagte der Vorsitzende des Organisationskomitees, Prof. Dr. Florian Greten.
Mehr Impressionen finden Sie hier: http://www.frankfurtcancerconference.org/.
Fotos: Felicitas Cremer/UCT & Uwe Dettmar



















