Forschen für das Leben
Georg-Speyer-Haus. Foto: Andreas Reeg, Tel: +40-171-5449247, andreas.reeg@t-online.de, www.andreasreeg.de
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Dr. Lisa Sevenich

Hirnmetastasen sind der häufigste zerebrale Tumor bei Erwachsenen und betreffen derzeit bis zu 30 % der Krebspatient:innen. Die fortschrittliche Behandlung von Primärtumoren hat in den letzten Jahren zu einem Anstieg der Häufigkeit von Hirnmetastasen geführt. Trotz der schwerwiegenden klinischen Probleme, die mit Hirnmetastasen verbunden sind, sind die derzeitigen Behandlungsmöglichkeiten begrenzt, und die Standardtherapie basiert hauptsächlich auf chirurgischer Resektion, Bestrahlung und Chemotherapie. Das Scheitern der erfolgreichen Behandlung von Hirnmetastasen kann zum Teil auf die komplexe Biologie des Gehirns zurückgeführt werden, aber auch auf den mangelnden Einblick in die zellulären und molekularen Mechanismen, die die Hirnmetastasierung antreiben.

Das Gehirn stellt eine einzigartige Gewebeumgebung mit hochspezialisierten hirnspezifischen Zellen dar, darunter Astrozyten und Mikroglia, die wichtige physiologische Funktionen wie die Aufrechterhaltung der Blut-Hirn-Schranke und die Immunüberwachung erfüllen. Das Eindringen von Tumorzellen stört die zelluläre Homöostase und führt zu einer Anhäufung von hirnspezifischen Zellen in metastatischen Läsionen sowie zur Rekrutierung von Immun- und Entzündungszellen aus der Peripherie. Es ist bekannt, dass parakrine Kreisläufe zwischen Tumorzellen und tumorassoziierten Stromazellen das Fortschreiten der Krankheit und das Ansprechen auf die Therapie entscheidend beeinflussen. Allerdings ist unser Verständnis darüber, wie hirnmetastatische Zellen aus verschiedenen Primärtumoren (Melanom, Brust- und Lungenkrebs) Stromazellen aktivieren und nutzen, um die ratenbegrenzenden Schritte der Hirnmetastasierung zu unterstützen, derzeit begrenzt.

Unser Forschungsziel ist es, die zellulären und molekularen Veränderungen in der Mikroumgebung der Hirnmetastase als Reaktion auf infiltrierende Tumorzellen während der verschiedenen Stadien der metastatischen Besiedlung zu untersuchen. Wir wollen verstehen, wie durch Onkogene ausgelöste Signale intrinsisch tumorizide Immun- und Entzündungszellen in tumorfördernde Zellen während der Metastasenprogression und als Reaktion auf die Standardtherapie umgewandelt werden.

Unser langfristiges Ziel ist es, diese Erkenntnisse in klinische Anwendungen umzusetzen, um gezielte Therapien oder Immuntherapien zu entwickeln, die die Wechselwirkungen zwischen Tumor und Stroma blockieren oder die tumorassoziierte Entzündung bei Hirnmetastasen modulieren, um bessere Behandlungsmöglichkeiten für Patient:innen mit Hirnmetastasen zu bieten.